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Mystik

Der schwarze Holunder gehört zu jenen Heilpflanzen, die am frühesten vom Menschen - nicht nur in Europa, sondern auch in Australien, Asien, Nord- und Südamerika - genutzt wurden. Beispielsweise förderten Ausgrabungen steinzeitlicher Siedlungen in der Schweiz sowie bronzezeitlicher Niederlassungen in Italien Holundersamen und Reste von Zweigen zu Tage. Holunder wurde aber nicht nur seiner Nahrhaftigkeit wegen geschätzt, sondern auch, wie etwa im antiken Griechenland und Italien, um Stoffe und Leder zu färben. Die Farbpalette des Holunders reicht von roten über blaue und violette Farbtöne (Saft der Beeren unter Zugabe von Säure) bis hin zu Moosgrün (zerstoßene Blätter) und einem tiefen Schwarz (geriebene Rinde).

Holunderbeeren, Blätter und Rinde standen in der Volksmedizin in hohem Ansehen und wurden bei diversen Leiden angewendet. Damit das Wissen der Kräuterweiber und Bauerndoktoren nicht ganz verloren gehen, wurden einige von ihnen von Prof. Johann Schleich befragt. HIER finden Sie jediglich ein paar dieser gesammelten Weisheiten von Volksmedizinern aus dem steirischen Vulkanland.

Namensvielfalt

Die enge Verbundenheit der Menschen mit der Heilpflanze spiegelt sich auch in der vielfältigen Namensgebung wider, die sich von Landstrich zu Landstrich unterscheidet: Holder, Holler, Ellhorn, Kiseke, Alhorn, Pisseke, Zibke, Eller oder Flieder. Wobei sich die Bezeichnung Flieder aus dem althochdeutschen Wort „vledderen“ ableitet, womit die raschen, flatternden Bewegungen der Blätter beschrieben wurden. Sogar der in der deutschen Sprache gebräuchlichste Begriff „Holunder“ gibt Anlass zu Missverständnissen: Der Begriff entstand aus dem althochdeutschen „holuntar“, was „heiliger Baum“ bedeutet und nicht, wie so oft behauptet – von „Baum der Frau Holle“. Daher ist natürlich auch die germanische Naturgöttin Holda, deren Wohnsitz im Holunderbaum vermutet wurde, nicht mit der Frau Holle der Gebrüder Grimm gleichzusetzen, ebenso wenig mit der gefährlich anmutenden Göttin Hulda, die mit einem Heer von Verstorbenen als wilde Jagd über den Himmel rauscht. Nach der Christianisierung wurde die germanische Göttin Holda durch die Mutter Gottes abgelöst, die der Sage nach die Windeln des Jesuskindes auf einem Holunderstrauch getrocknet und auf der Flucht nach Ägypten unter einem Holunderbaum gerastet haben soll. Laut einer Sage aus dem Odenwald wuchs an der Stelle bei Schneeberg, wo nun eine Gnadenkapelle steht, früher ein Holunderbaum, in dem immer wieder das Bildnis der Mutter Gottes aus der Pfarrkirche zu sehen war.

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