Die enge Verbundenheit der Menschen mit der Heilpflanze spiegelt sich auch in der vielfältigen Namensgebung wider, die sich von Landstrich zu Landstrich unterscheidet: Holder, Holler, Ellhorn, Kiseke, Alhorn, Pisseke, Zibke, Eller oder Flieder. Wobei sich die Bezeichnung Flieder aus dem althochdeutschen Wort „vledderen“ ableitet, womit die raschen, flatternden Bewegungen der Blätter beschrieben wurden. Sogar der in der deutschen Sprache gebräuchlichste Begriff „Holunder“ gibt Anlass zu Missverständnissen: Der Begriff entstand aus dem althochdeutschen „holuntar“, was „heiliger Baum“ bedeutet und nicht, wie so oft behauptet – von „Baum der Frau Holle“. Daher ist natürlich auch die germanische Naturgöttin Holda, deren Wohnsitz im Holunderbaum vermutet wurde, nicht mit der Frau Holle der Gebrüder Grimm gleichzusetzen, ebenso wenig mit der gefährlich anmutenden Göttin Hulda, die mit einem Heer von Verstorbenen als wilde Jagd über den Himmel rauscht. Nach der Christianisierung wurde die germanische Göttin Holda durch die Mutter Gottes abgelöst, die der Sage nach die Windeln des Jesuskindes auf einem Holunderstrauch getrocknet und auf der Flucht nach Ägypten unter einem Holunderbaum gerastet haben soll. Laut einer Sage aus dem Odenwald wuchs an der Stelle bei Schneeberg, wo nun eine Gnadenkapelle steht, früher ein Holunderbaum, in dem immer wieder das Bildnis der Mutter Gottes aus der Pfarrkirche zu sehen war.