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Holunder in der Volksmedizin

Holunderbeeren, Blätter und Rinde standen in der Volksmedizin in hohem Ansehen und wurden bei diversen Leiden angewendet. Damit das Wissen der Kräuterweiber und Bauerndoktoren nicht ganz verloren gehen, wurden einige von ihnen von Prof. Johann Schleich befragt. Hier finden Sie jediglich ein paar dieser gesammelten Weisheiten von Volksmedizinern aus dem steirischen Vulkanland:

Alois Auer aus Reiting rät, gegen Fieber auf die Pulsadern am Handgelenk, die Stirn oder auf die Fesseln Blätter vom Schwarzen Holunder aufzulegen. Wirksam soll auch die so genannte „Hollersoißn“ sein. Dafür werden Holunderbeeren im eigenen Saft mit wenig Zucker zu einer geleeartigen Masse verkocht. Bei Fieber löst man von der „Hollersoißn“ einen Löffel voll in Wasser auf und trinkt dies.

Blutreinigend sollen nach Meinung von Johann Reicher aus Paldau die Blätter des Schwarzen Holunders als Frühjahrskurtee wirken. Der Tee aus den Blüten ist bei Grippe wirksam.

Eva Schleich aus Feldbach kannte ein Mittel gegen Atemstörungen. Sie wendete dabei ein „Holleröl“aus Rotem Traubenholunder an. Dafür werden die Früchte abgeperlt und so lange aufgekocht, bis sich Schaum bildet, der abgeschöpft wird. Diesen Schaum lässt man wieder so lange aufkochen, bis sich ein Öl absondert, das abgeschöpft und abgefüllt wird. Dieses Öl wird bei Atemstörungen löffelweise eingenommen.

Holunerbeeren in Zucker oder Honig aufgekocht, gibt in Wasser eingerührt einen angenehmen Labetrunk, der den Magen reinigt, harntreibend und wohltuend bei Nierenbeschwerden wirkt.

Holunderblätter finden auch als Kräuterbad Anwendung. Dazu werden Holunderblätter in siedend heißes Wasser gegeben und auf kleiner Flamme 15 Minuten gekocht. Das abgeseihte Wasser kommt ins Badewasser.

Holunderblätter unter einem Kopftuch getragen sollgen gegen Verwirrungen in der Pubertät helfen, erzählt Franz Neubauer aus Krusdorf.

Dem Holunder wurden aber nicht nur heilende Eigenschaften zugeschrieben, er war auch ein Strauch mit vielerlei magischen Kräften und Fähigkeiten. In ihm wohnten die Haus- und Schutzgeister. Daher findet man den „Hollerbuschn“ oft in der Nähe des Hauses oder eines Wirtschaftsgebäudes. Und wenn man einen Holunderstrauch umschneidet, so zieht das ein Unglück nach sich oder bringt gar den Tod.

Der Holunderstrauch vor der Stalltür schützt die Tiere vor Zauberei. Zu beachten wäre auch, dass auch der Türriegel aus Holunderholz gefertigt ist.

Gegen Maulwurfplage werden Holunderzweige in den Boden gesteckt.

Und wollen Sie einmal einen Schatz vergraben, so sollten Sie dies unter einem Holunderstrauch tun, weil dieser Strauch nicht auszurotten ist und so der Schatz wieder leicht gefunden werden kann.

Prof. Johann Schleich

(Aus: Alles Holler – Das Holunder Kochbuch)

 

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